Kölner Stadtanzeiger, 28.06.2007

KULTUR

In China klang es mitteleuropäisch

Das Streichorchester Archi di Colonia lud in Familienkonzerten mit dem Gitarristen Peter Korbei zu einer musikalischen Weltreise ein.
VON MARIANNE KIERSPEL
Holweide/Braunsfeld - Rocko nervt seinen Gitarrenlehrer, weil er immer wieder Neues spielen will. Eines Tages ist der verstaubte Notenvorrat erschöpft. Da geht Rocko mit seinem Kater per Heißluftballon auf Weltreise. Er will anderswo neue Lieder hören. Eine hübsche Ausgangsidee für das musikalische Märchen "Rockos Reisen" des Kölner Gitarristen Peter Korbel. Er präsentierte sein etwa vierzigminütiges Kinderstück für Gitarre, Sprecher und Streicher in Braunsfeld und Holweide mit dem Streichorchester "Archi di Colonia".
Korbel bot prägnante Gitarrensoli und erwies sich als begabter Erzähler. Er hatte auch gute Ideen, "Hänschen klein" zu verfremden. Manche eingestreuten kurzen Musikstücke allerdings trauten sich nicht weit weg in ferne Musikwelten. Ein kleiner Blues hatte Profil, aber in China oder Ägypten klang es jetzt ziemlich mitteleuropäisch. Da durfte sich zwar das Amateurorchester heimisch fühlen. Aber vielleicht hätten die Kinder in St. Mariä Himmelfahrt auch andere Rhythmen und Melodien akzeptiert.
Übrigens geht es den 18 Streichern "Archi di Colonia" besser als dem neugierigen Rocko. Denn ihr Leiter Peter Bortfeldt probt gern fremde Stücke. So unterhielten sie in Holweide mit "La Musica notturna di Madrid" des Barockmeisters Luigi Boccherini, einer Nachtszene, die fromme Beter und Straßenmusikanten lustig vereint. Neu war Korbels "Meditation II", bei der sich der Komponist durch autogenes Training hat anregen lassen. Und die "Suite del Sur" von Jorge Morel wurde durch die kölner Amateure jetzt überhaupt erstmals in Europa vorgestellt; Bortfeldt hatte sie eigens für Streichorchester und Gitarre arrangiert. Korbel spielte auch hier das Gitarrensolo, zumal in dem liedhaften Satz "Cancion" konnte er Melodie und Begleitung fein abstufen. Und die Streicher, für die Morels lateinamerikanische Rhythmen eine harte Nuss gewesen sein muss, haben sich mit Erfolg um tänzerische Leichtigkeit und spritziges Spiel bemüht. In Holweide verlangte das Publikum eine Zugabe und hörte noch einmal Rockos Blues.