Generalanzeiger vom 31. Januar 2004

 

Pressespiegel zu den Konzerten Januar / Februar 2004

 

 

 

 
   

           

 

Kölner Stadtanzeiger vom 12. Februar 2004

 
  

Mit weit entfernten Tonarten

 

Das junge Liebhaber-Orchester "Archi di Colonia" bot ein farbiges Konzert in der Clarenbachkirche.

VON MARIANNE KIERSPEL

Braunsfeld - Zur beliebtesten Orchestermusik des Barock zählt die "H-Moll-Suite" von Johann Sebastian Bach. Sie war jetzt auch das Herzstück im Programm der Kölner Streicher "Archi di Colonia". Die jungen Musikliebhaber spielten in der Region und zum Abschluss, wie schon in früheren Jahren, in der Braunsfelder Clarenbachkirche. Die gute Akustik verrät zwar auch leicht ein paar graue Tönchen und manchmal füllige Bässe. Das aber nimmt der gewiefte Meister Bach nicht gleich übel (...)

Bachs Tanzsätze unterhalten auch dann, wenn man sie wie hier eher vorsichtig aufs Parkett legt. Elegant schritt etwa die Polonäse daher. Und der saubere Flötenton der Solistin Hildegard Singer legte Glanz auf das Spiel der 17 Streicher und des Cembalisten. Sie sind in der Mehrheit Studenten und junge Berufstätige, die sich in der Freizeit der Musik widmen. Entsprechend behutsam leitete sie der ebenfalls noch junge Raphael von Hoensbroech. Er hielt alle drei Stücke des Abends gut zusammen. Am schwierigsten fiel die Streicherserenade op. 6 (1892) des Dvorak-Schülers Josef Suk, der selbst Geiger war. Er verlangt so Heikles wie verzweigte Stimmführungen und Wanderungen durch weit entfernte Tonarten.

Das Spiel muss sich noch "setzen", damit Suks Musik an Frische und Leichtigkeit hinzu gewinnt. Schön hatten die Streicher und die Flötistin das Eröffnungsstück vorgestellt, die ruhige, fasslich strukturierte Komposition "Behind the Quietness" (2002) von Stefan David Hummel. Sie baute im Programm eine tragfähige Brücke zu Bach hin. Denn der junge Salzburger arbeitet mit Bachs Choral, am Ende scheint "Wer nur den lieben Gott lässt walten" vollständig auf. Hummel hat das Stück, das an seinen verstorbenen Vater erinnert, für die Kölner neu arrangiert. In der guten Akustik konnten die Streicher am Altar und die Flötistin auf der hinteren Empore die ganze Länge des Raums überspannen. Ihr konzentriertes Spiel strahlte Ruhe und Innigkeit aus.